Ich habe mich schon als Kind für alles interessiert, was draußen so kreucht und fleucht, habe als Kind Kaulquappen und Raupen großgezogen und später auch viele Tiere und Pflanzen fotografiert. Daher lag ein Biologie-Studium für mich nahe.
Eigentlich wollte ich Zoodirektor oder Forscher werden (Vorbilder B. Grzimek und H. Sielmann).
Nach der Uni bin ich dann aber in die freie Wirtschaft gegangen und habe ein Planungsbüro (Naturschutz und Landschaftsplanung) gegründet.
Wenn Eingriffe geplant werden (Straßenbau, Deichbau, Windparks) gehen wir raus und schauen vor Ort nach, welche Tiere und Pflanzen dort vorkommen und versuchen die Planung so anzupassen, dass möglichst wenige Arten geschädigt werden.
Wir machen aber auch direkte Naturschutzplanungen und versuchen Maßnahmen in Schutzgebieten zu planen, damit seltene und gefährdete Arten wieder häufiger werden können.
Geländetage sind lang, für Vogelerfassungen muss man vor Sonnenaufgang im Gelände sein und Fledermauserfassungen beginnen erst nach Sonnenuntergang. Libellen-, Tagfalter- und Heuschreckenerfassungen machen mehr Spaß. Diese Arten findet man am besten bei Sonnenschein.
Normale Bürotage sind wie bei vielen anderen Berufen auch strukturiert. Überwiegend Schreibtischarbeit, Telefonieren und viel Computerarbeit (Texte schreiben, Karten erstellen).
Das Studium hat viele Zusammenhänge erklärt und vernetztes Denken beigebracht. Die Ökologie folgt nie einfachen Mechanismen und es gilt so gut wie nie, dass aus A dann B folgt. Auch wurden viele Anregungen gegeben, sich mit unterschiedlichen Tier- und Pflanzengruppen zu beschäftigen.
Aber es können in der Kürze des Studiums nur Anregungen sein. Eine gute Artenkenntnis verlangt viel Engagement außerhalb des Studiums.
Wer in die Planung möchte, braucht eine gute Artenkenntnis und sollte sich mit den Grundlagen des Umweltrechtes auseinandergesetzt haben. Wer als Biologe in die Selbstständigkeit möchte und ein Planungsbüro gründen möchte, sollte sich zusätzlich unbedingt Grundlagen der Betriebswirtschaft zulegen. Da versagt unser Studium auf der ganzen Linie und das kostet später viel Lehrgeld. Praktika in Behörden, Planungsbüros oder auch Naturschutzverbänden helfen bei der Einarbeitung in die Planungspraxis.
Ein Blick über den Tellerrand zu Geographen (GIS - Geographische Informationssysteme) oder zu Landschaftsplanern sind sicherlich hilfreich. Außerdem sollte jede Exkursion mitgemacht werden, die angeboten wird. Drei Wochen Blick über den Tellerrand im Ausland vermitteln mehr Zusammenhänge als ein Semester büffeln.
Mit einem Studium der Ökologie oder der Vegetationskunde ergeben sich Beschäftigungsmöglichkeiten bei der Verwaltung, in Museen, im Bereich der Bildungsarbeit, bei großen Naturschutzorganisationen oder in Planungsbüros.
Wer seine Lebensziele an Haus, Yacht und Auto orientiert, sollte die Finger von der Ökologie und dem Naturschutz lassen. Wer überzeugt ist dass Natur- und Umweltschutz in dieser Gesellschaft wichtig sind, findet hier sicherlich eine Nische, ohne jedoch Reichtümer erwerben zu können. Allerdings wird sich kaum eine Stelle finden lassen, die vom Studium bis zur Rente hält.
Das Fach studieren, für das Interesse vorhanden ist und nicht das, wo hinterher die besten Jobchancen locken. Möglichst viel über den Tellerrand schauen, viele Exkursionen machen und sich viel mit Studierenden anderer Hochschulen austauschen bzw. die Uni wechseln.