Ich wollte gerne in einem Unternehmen an Entscheidungen mitwirken, wusste aber nicht so genau, in welcher Fachrichtung ich arbeiten möchte. Ich war immer schon an Mathematik interessiert, wollte aber kein theoretisches Mathe-Studium absolvieren, sondern die Mathematik in der Unternehmenspraxis anwenden. BWL bietet eine breite Palette an Fachrichtungen, die man während des Grundstudiums kennen lernt.
Was ich genau werden will, wusste ich damals noch nicht.
Geworden bin ich Beraterin in einem großen, international tätigen Marktforschungsunternehmen.
Mithilfe von Marktfoschung treffen Unternehmen wichtige Entscheidungen wie z.B. welche Produktinnovation getätigt werden, zu welchem Preis ein neues Produkt verkauft werden soll, welche Maßnahmen zur Steigerung der Kundenzufriedenheit ergriffen werden etc. Um eine gute Entscheidungsgrundlage zu haben, werden vorher häufig Marktforschungsstudien durchgeführt.
Als Consultant im Bereich Marktforschung berate ich die Kunden bei der Auswahl der geeigneten Methode für eine Fragestellung, ich koordiniere die Durchführung von Befragungen und die Auswertung der Ergebnisse und erstelle Präsentationen für die Unternehmen.
Ein typischer Arbeitstag beginnt gegen 9 Uhr mit einem schnellen Check meiner Emails (Sind neue Anfragen vom Kunden eingegangen? Gibt es Probleme bei laufenden Projekten? etc.)
9:30 - 10:30 Uhr: Meeting mit einem 3-köpfigen Projektteam zur Vorbesprechung der Datenanalyse einer Conjoint-Studie (Diskussion der bisherigen Ergebnisse, Festlegung der Auswertungsziele, Verteilung der Aufgaben)
10:30 - 12:00 Uhr: Überarbeitung eines Angebotes für eine Kundenzufriedenheitsstudie in 5 Ländern und Versand des Angebots an den Kunden
12 - 12:30 Uhr: Telefonat mit einem Kunden zu möglichen alternativen Conjoint-Simulationen
12:30 - 13:30 Uhr: Mittagessen mit Kollegen
13:30 - 15:00 Uhr: Finalisierung einer Ergebnispräsentation, die morgen beim Kunden vorgestellt wird (Flug München-Köln um 6:15 Uhr morgen früh)
15:00 - 16:00 Uhr: Besprechung der Ergebnispräsentation mit dem Team-Mitglied, das morgen zum Kunden mitkommen wird
16:00 - 16:30 Uhr: Kurze Teambesprechung (interne Themen)
16:30 - 17:30 Uhr: Telefonat mit einem Kunden aus den USA: finale Abstimmung eines Online-Fragebogens für eine Mehrländer-Studie
17:30 - 18:00 Uhr: Kurze Übergabe wegen morgiger Abwesenheit, Verteilung von Aufgaben an Mitarbeiter
18:00 - 19:00 Uhr: Besprechung mit Vorgesetztem (interne Themen und Projektdurchsprache)
Zwischen 19:00 und 20:00 Uhr: Feierabend
Ich hatte als Studien-Schwerpunkt Marketing mit einem Fokus auf Marktfoschung gewählt. Hier halfen mir zu Beginn meiner Berufstätigkeit die Kenntnisse verschiedener multi-variater Analyseverfahren und meine SPSS-Grundkenntnisse.
Außerdem hilft das erlernte strukturierte Vorgehen bei verschiedenen Problemstellungen und v.a. erlernte Präsentationskenntnisse im Studium.
Eine wichtige Voraussetzung für die Tätigkeit in der Marktfoschung ist auch ein grundlegendes Zahlenverständnis. Ich würde allerdings sagen, dass die konkreten Studieninhalte unter dem Strich nur zu 10-20% praxisrelevant sind.
Praktika im Bereich Marktfoschung sind wichtig.
Eine Studienarbeit/Diplomarbeit auf der Grundlage einer empirischen Erhebung ist von Vorteil, aber kein Muss.
BWL an sich bietet eine sehr breite Palette:
Vom Einzelunternehmer bis hin zum Angestellten in einem Großunternehmen ist wohl alles möglich.
Das Einstiegsgehalt für BWLer schwankt zwischen 30.000 und 50.000 Euro brutto, je nachdem, in welcher Branche und Fachrichtung man beginnt.
In der Marktforschung befindet man sich leider eher am unteren Ende der Skala. Die Aufstiegs-/Karrierechancen sind aber in jedem Fall gut.
Mithilfe von Praktika in verschiedenen Branchen/Fachgebieten bereits im 2./3. Semester bekommt man einen guten Einblick in die unterschiedlichen Fachrichtungen.