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Startseite › Recht & Wirtschaft › Jura › Berufe › Jens (36), Rechtsanwalt in einer Großkanzlei
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Jens (36)
Rechtsanwalt in einer Großkanzlei

Das habe ich studiert und so habe ich mich dafür entschieden:

Ich wollte schon immer (auch) Rechtsanwalt werden, schon als die Alternativen noch "Feuerwehrmann" oder anders lauteten.

Ich interessierte mich fürs Diskutieren, den Austausch und "Kampf" von Argumenten, den Prozess der Erkenntnis im Diskurs - und ich hatte den Eindruck, mit Sprache gut zurecht zu kommen.
Mich interessierte außerdem die Spannung zwischen Recht als Zwangsordnung und Recht als Freiheitsgarant. Und diese Interessen sind "unterm Strich" hervorragend bedient worden, auch wenn im Laufe der Ausbildung gehörig viel Redundantes dabei war.

Gleichwohl: Hätte es einen anderen Weg zum Beruf des Rechtsanwalts gegeben, hätte ich im 2. Semester vermutlich hingeschmissen und diesen anderen Weg gewählt.

Das wollte ich werden und das bin ich geworden:

Ich wollte Rechtsanwalt im Wirtschaftsrecht werden, also den Mittelstand unternehmensnah beraten und Prozesse führen rund um Verträge und andere Geschehnisse.

Ich bin Rechtsanwalt in einer internationalen Großkanzlei geworden, und zwar spezialisiert auf geistiges Eigentum und den gewerblichen Rechtsschutz (Patente, Marken, Lizenzen usw.).

Ein halbes Jahr lang arbeitete ich in London. Diese Tätigkeit hätte ich mir im Studium wohl nicht zu erträumen gewagt, aber meine Interessen und Begeisterung an Fach und Beruf werden hier noch punktgenauer und treffsicherer bedient.

Ich berate teils in Prozessen, teils in Vertrags-Situationen und teils zu Unternehmens-Transaktionen (M&A, Finanzierungen u.a.). Insofern ziemlich nah an meinen ursprünglichen Wünschen, auch wenn meine Firma (Sozietät) auf einem anderen Level tätig ist, als ich es mir für mich früher vorgestellt hatte.

Mein Beruf:

Unternehmensberater mit Spezialkenntnis im Bereich Recht und, falls nötig, der Befugnis zur Prozessführung.

Experte für den Schutz, die Durchsetzung und die unternehmrisch zielführende Verwertung geistiger Eigentumsrechte und für fairen Wettbewerb.

Mannschaftsspieler in einem Team hochkarätiger Spezialisten anderer Rechtsgebiete.

Mein typischer Arbeitstag:

  • 7.30 im Büro. Bearbeitung von E-Mails, rechtliche Analysen, Entwurf von Stellungnahmen, Überarbeitung von Verträgen usw.
  • ab ca. 9.30 hier und da Telefonkonferenzen, seltener mal ein direktes Treffen/Besprechung mit Mandanten,
  • Gegnern und/oder Kollegen
  • alle paar Wochen ein auswärtiger Gerichts- oder sonstiger Termin
  • an manchen Tagen Mittagspause mit Kollegen aus anderen Sozietäten, häufiger keine Mittagspause
  • nachmittags erneut Telefonate (mit Mandanten, Gegnern, Kollegen) und Bearbeitung von Fällen/Projekten,
    Anpassung der Zeitplanung an die sich immer wieder rasch ändernden Prioritäten
  • gegen 19.30 Heimfahrt, ggf. noch ab 21 Uhr dringende Angelegenheiten von zu Hause erledigen

So helfen mir die Studieninhalte im Beruf:

Die eigentlichen Jura-Inhalte spielen kaum eine Rolle, abgesehen von den wirklichen Grundlagen wie Abstraktionsprinzip, Eigentümer-Besitzer-Verhältnis, Vertragsauslegung u.ä.

Studieninhalte aus Rechtsphilosophie und Staats-/Gesellschaftstheorie sind wichtiger als ursprünglich erwartet, weil sie beim Argumentieren im juristischen Neuland und zur Vertragsauslegung helfen.

Praktische Erfahrungen aus Nebenjobs und ReferendariatEin Staatsexamen ist eine Abschlussprüfung, die von einer staatlichen Behörde durchgeführt wird. Die Prüfung basiert somit auf staatlichen Standards und berechtigt zur Ausübung eines staatlich geregelten Berufes. So gehören beispielsweise die Studiengänge Medizin, Jura und Lehramt zu denjenigen, die mit einem Staatsexamen bzw. mehreren Staatsexamina abgeschlossen werden. sind wichtiger als juristische Studieninhalte.

Diese Zusatzqualifikationen sollte man schon während des Studiums erwerben:

Interkulturelle Erfahrungen, meinetwegen auch im Urlaub, idealerweise durch Arbeiten vor Ort als Irgendwas (muss nicht unbedingt studienfachbezogen sein)

Kommunikationsfähigkeit, pointiertes Reden und Schreiben; angemessener Umgang mit E-Mail, Telefon, Internet, Brief und anderen Medien

Praktika, Nebenjobs usw. müssen nicht Jura-bezogen sein, im Gegenteil: Blicke über den Tellerrand sind wertvoller als der "streamlined" Experte, der schon ab dem 2. Semester schnurstracks auf das eine Ziel hingearbeitet hat; Man muss schließlich die Mandanten in ihren jeweiligen Situationen, Funktionen und Branchen verstehen können

Englisch als Fredmsprache reicht, sollte aber richtig gut sein

In diesen Berufsfeldern kann man als Jurist tätig werden:

  • Rechtsanwalt
  • Syndikus/Justiziar
  • NGOs
  • Politik
  • Verwaltung
  • operative Unternehmensbereiche, insbesondere Projektmanagement, Personalführung, ggf. Geschäftsführung

Gehalt und Karrierechancen aus meiner Sicht:

Generell ist die Spanne sehr weit, von Existenzminimum bis Super-Einkommen ist alles drin, das hängt wesentlich von den Examensergebnissen und Zusatzqualifikationen ab.

Chancen für "gute" Leute sind sehr gut - und gute Leute sind am Ende meist diejenigen, die wissen, warum sie Jura studieren (nicht nur aus Verlegenheit oder Negativselektion) und die Freude am Kern der juristischen Arbeit und an Kommunikation und Diskurs haben.

Mein Tipp für Studieninteressierte:

Fritjof Haft: Einführung ins juristische Denken (oder so ähnlich) und Juristische Rhetorik => kaufen und lesen, je früher desto besser!

Rausfinden, ob man eher der Typ für Vorlesungen oder für Arbeitsgruppen oder fürs Lesen oder andere Lernformen ist, und sich dann darauf konzentrieren. Wer kein auditiver Lerntyp ist (oder wo der Prof. nicht gut ist), vergeudet im Hörsaal nur Lebenszeit!

Früh mit dem Klausuren-Schreiben beginnen und üben (Fernklausurenkurse gibt's bei Repetitoren), das ist das Handwerkszeug für eine gute Examensnote.

Beim ganzen §§-Pauken nicht vergessen, sich auch die soziologischen, politischen und philosophischen Bezüge zu erarbeiten, denn die ändern sich weniger schnell als manches Gesetz.

Nicht nur mit Juristen unterwegs sein!

Aus dem Beruf:

  • Ina (29)
    Juristische Referentin bei einer Rundfunkanstalt
  • Julia (29)
    Referentin im öffentlichen Dienst
  • Markus (40)
    Staatsanwalt
  • Maxime (38)
    Unternehmensjuristin in der Industrie
  • Thomas (33)
    Rechtsanwalt