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Startseite › Sozialwissenschaften › Politik › Berufe › Marc-André (36), Entwicklungshelfer in Tansania
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Marc-André (36)
Entwicklungshelfer in Tansania

Das habe ich studiert und so habe ich mich dafür entschieden:

Politikwissenschaft mit seinen verschiedenen Teilgebieten wie z.B. Internationale Beziehungen, Vergleichende Politikwissenschaft usw. erschien mir fachlich interessant.

Zusätzlich wusste ich, dass man besonders im HauptstudiumDie Unterscheidung zwischen Grund- und Hauptstudium war insbesondere bei Diplom- und Magisterstudiengängen gebräuchlich. Im Rahmen des Bachelors sind diese Begriffe nur noch selten anzutreffen. Aktuell sind sie noch bei Examensstudiengängen. Das Grundstudium umfasst die ersten Semester des Studiums. Dort lernst du die wissenschaftlichen Methoden und allgemeinen Grundlagen des jeweiligen Fachs kennen. Im Hauptstudium vertiefst du dann diese Kenntnisse und wendest sie auf spezielle Sachverhalte an. In diesem zweiten Abschnitt des Studiums kannst du dich oft auf einen Bereich deines Faches spezialisieren und wählen, welche angebotenen Veranstaltungen du dazu besuchen möchtest. sehr viel nach Neigung studieren kann, d.h. viel Wahlfreiheit hat, um sich thematisch und/oder geographisch zu spezialisieren.

Das wollte ich werden und das bin ich geworden:

Ich wollte, wie so viele, „irgendwas“ im Bereich Internationale Beziehungen machen, am besten mit Bezug zu den sogenannten Entwicklungsländern.

Und da bin ich auch tatsächlich gelandet: Nach meiner Zeit als wissenschaftlicher MitarbeiterZVS ist die Abkürzung für die 'Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen'. Für bestimmte Studiengänge, die in Deutschland stark nachgefragt sind, erfolgt die Vergabe der Studienplätze über die ZVS. Derzeit gilt das für die Fächer Humanmedizin, Pharmazie, Psychologie, Tiermedizin und Zahnmedizin. eines Europaabgeordneten (Arbeitsschwerpunkt: Entwicklungszusammenarbeit), war ich anschließend vier Jahre als Mitarbeiter einer Nicht-Regierungsorganisation in Kolumbien und arbeite mittlerweile als Entwicklungshelfer in Tansania.

Mein Beruf:

Zunächst einmal muss man in diesem Zusammenhang festhalten: Entwicklungshelfer ist nicht gleich Entwicklungshelfer.

Dieser Berufszweig hängt sehr vom spezifischen Aufgabenbereich ab, mit dem man es zu tun hat, d.h. ob man im Bereich landwirtschaftliche Entwicklung, Umwelt- und Ressourcenschutz, Organisationsentwicklung, Gesundheit, Bildung, Demokratieförderung oder vielleicht Konfliktbearbeitung / Friedensarbeit angesiedelt ist.

Was das Berufsfeld „Entwicklungshelfer“ trotz seiner ganzen Vielfältigkeit allerdings eint, ist, dass es im weitesten Sinne darum geht, sozial benachteiligte Menschen in den sog. Entwicklungsländern dabei zu unterstützen, aus eigener Kraft ihre jeweiligen Lebensbedingungen zu verbessern.

Mein typischer Arbeitstag:

Den typischen Arbeitstag gibt es bei mir zum Glück nicht.

Es ist Büroarbeit dabei, wo Berichte geschrieben und Konzepte erarbeitet werden müssen. Man geht auch zu Seminaren, Konferenzen und allen möglichen Arbeitstreffen. Ich habe viel mit dem Bereich “Lobbying & Advocacy“ zu tun, bei dem es darum geht, gesellschaftlichen bzw. politischen Einfluss zu bestimmten Themen zu erzeugen.

Außerdem lebt meine Arbeit natürlich von den regelmäßigen “field visits“, d.h. wir besuchen die sog. „Zielgruppe“ um die es im Projekt geht (in unserem Fall: Landbevölkerung mit stark reduziertem Zugang zu Bildung oder Gesundheitsversorgung, und kaum vorhandenen Kenntnissen bzgl. ihrer Rechte) direkt vor Ort, um zusammen mit ihnen das bisherige sowie das weitere Vorgehen zu besprechen bzw. umzusetzen. So ein Besuch kann dann unter Umständen auch schon mal 4-5 Tage dauern, je nach Lage, Straßenverhältnissen usw.

So helfen mir die Studieninhalte im Beruf:

Es ist nicht so, dass ich mich in meiner täglichen Arbeit regelmäßig an irgendwelche Studieninhalte zurückerinnern würde.

Aber alles in allem glaube ich schon, dass das Studium der Politikwissenschaft eine sehr gute Vorbereitung auf mein heutiges Berufsleben war, weil es mir ermöglich hat, mich intensiv und auf akademischem Niveau mit politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen, seien sie lokaler, nationaler oder internationaler Natur.

Diese Zusatzqualifikationen sollte man schon während des Studiums erwerben:

1. Praxiserfahrung!!! Aus zwei ganz einfachen, aber entscheidenden Gründen:
a) Man sieht durch das Reinschnuppern in die Praxis, wie das entsprechende Berufsfeld funktioniert und erfährt dadurch konkret, was einem liegt, und was nicht; und
b) Man erarbeitet sich viele der entscheidenden Qualifikationen erst in der Praxis, sei es durch Praktika oder einen fachlich relevanten Nebenjob.

2. Sprachkenntnisse: Englisch wird meistens schon nicht mehr als Fremdsprache angesehen, sondern als absolutes und selbstverständliches Muss. Wer international arbeiten will, braucht darüber hinaus in der Regel mindestens eine weitere Sprache: Entweder man beherrscht neben Englisch eine der anderen offiziellen Amtssprachen der Vereinten Nationen - Spanisch, Französisch, Chinesisch, Russisch oder Arabisch - oder aber man spezialisiert sich ganz gezielt. Ich kenne Kollegen, die mittlerweile „begehrte“ Experten sind, weil sie sich bereits im Studium bewusst auf Länder wie z. B. Indonesien oder Vietnam konzentriert haben, inklusive der jeweiligen Sprachen.

In diesen Berufsfeldern kann man als Politologe tätig werden:

Auch wenn die Politikwissenschaft häufig fälschlicherweise (!) in die Rubrik „brotlose Kunst“ eingestuft wird, besonders von besorgten Eltern, die den Nachwuchs lieber auf dem Weg zum Juristen oder zur Ärztin sähen, kann dieses Studium doch den Weg in sehr verschiedene Berufsfelder ebnen – vorausgesetzt, man kümmert sich rechtzeitig (!) um berufsrelevante Praxiserfahrung.

Hier eine kleine Auswahl von typischen Arbeitsfeldern: Journalismus, Ministerien und Behörden aller Art (sei es auf lokaler, nationaler oder internationaler Ebene), Internationale Organisationen, Nicht-Regierungsorganisationen, Verbände und sonstige Interessensgruppen, aber auch - und mehr als man denkt, besonders im englischsprachigen Raum - in der Privatwirtschaft.

Gehalt und Karrierechancen aus meiner Sicht:

Das Gehalt hängt logischerweise von der individuellen Karriere ab. Es ist nicht richtig zu glauben, dass man nur mit einem Jura- oder BWL-Studium ein anständiges Gehalt haben kann.

Gleichzeitig ist auch klar: Wer, aus welchen Gründen auch immer, ausschließlich für Nicht-Regierungsorganisationen oder karitative Einrichtungen arbeitet, der wird in der Regel nie so viel verdienen wie jemand, der bei den Vereinten Nationen, der Europäischen Kommission oder der Weltbank (wo im Übrigen auch viele Politikwissenschaftler arbeiten) die Karriereleiter hochklettert.

Mein Tipp für Studieninteressierte:

1. Studiert das Fach, das Euch wirklich interessiert!

2. Kümmert Euch um Praktika, sammelt so viel berufsrelevante Erfahrung wie möglich!

3. Studiert strategisch! D.h. wenn nötig immer wieder neu hinterfragen: Was will ich nach dem Studium machen? Welche Kurse, Praktika, Sprachen und Kontakte sind dazu hilfreich bzw. notwendig?

Aus dem Beruf:

  • Christin (32)
    Fernsehautorin beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk
  • Daniel (32)
    Jugendbildungsreferent bei einem Interessenverband
  • Roman (28)
    Online-Redakteur
  • Silke (28)
    Referentin im Stiftungswesen
  • Tangmar (32)
    Entwicklungspolitischer Berater in Kolumbien
  • Volker (32)
    Redenschreiber bei einer Landesregierung