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Startseite › Sozialwissenschaften › Politik › Berufe › Silke (28), Referentin im Stiftungswesen
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Silke (28)
Referentin im Stiftungswesen

Das habe ich studiert und so habe ich mich dafür entschieden:

Ich habe Politikwissenschaft und Germanistik auf Magister studiert.

Meine Studienfächer stehen für die Schulfächer, für die ich mich am meisten interessierte und in denen ich besonders gut war. Besonders reflektiert war meine Wahl zugegebenerweise nicht - das auszugleichen hat mich im Nachhinein einige Kraft gekostet.

Das wollte ich werden und das bin ich geworden:

Ich wollte Journalistin werden und bin nun Bildungsreferentin im Stiftungswesen.

Mein Beruf:

Eine bunte Mischung aus politischer Bildung, Veranstaltungsorganisation (z.B. Studieninformationstage), Studienberatung, Stipendienverwaltung (z.B.: Welche neuen Studenten sollen im nächsten Jahr ein Stipendium als finanzielle Unterstützung erhalten?) und Coaching.

Mein typischer Arbeitstag:

  • Version A: Bürotag (9-18h)
    - 50%: Emailkorrespondenz und Telefonate mit Studenten, Hochschuldozenten, Tagungshäusern, Cateringfirmen, etc.
    - 10%: Antragsbearbeitung
    - 10%: Abstimmung und Besprechungen im Team
    - 20%: Konzeptionelle Vorarbeit zur Bildungsveranstaltungen + Referentenrecherche
    - 10%: Auswahlprozesse
    - 10%: Inhaltliche Auseinandersetzung mit Bildungsthemen
     
  • Version B: Dienstreise(7-23h)
    - Frühes Weckerklingeln
    - schnelles Frühstück
    - gerade so den Zug erwischen
    - Vorbereitung auf den Termin/die Veranstaltung während der Fahrt
    - Kooperationstreffen oder Veranstaltungsleitung
    - nächtlicher Feierabend im Hotel

So helfen mir die Studieninhalte im Beruf:

Die konkreten Inhalte - Europaforschung und Literatur des Expressionismus/Schiller - nur sehr begrenzt.

Viel eher dafür die breite daraus entstandene Allgemeinbildung, das Gespür für politische Entwicklungen und typische geisteswissenschaftliche Kompetenzen wie das schnelle Einarbeiten in neue Themen, sicherer Umgang mit Sprache, Strukturieren komplexer Inhalte etc.

Diese Zusatzqualifikationen sollte man schon während des Studiums erwerben:

Die eigenen Stärken und Schwächen sind in den klassischen Studienformaten selbst nach meiner Erfahrung nur in Grenzen erkennbar und treten während Praktika, Projektarbeit, HiWi-Tätigkeiten etc. viel deutlicher zu Tage.
Darum würde ich stark dazu raten, früh Praxiserfahrung zu sammeln und das, wenn möglich auch über einen längeren Zeitraum am Stück (ab 3 Monaten). Der Erkenntnisgewinn wiegt in meinen Augen den potenziellen Zeitverlust in jedem Fall auf.

Gleiches lässt sich auch über Auslandsaufenthalte sagen, deren Wert im Lauf des Studiums meiner Meinung nach gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Und auch ehrenamtliches Engagement ist, über den gesellschaftlichen Beitrag hinaus, eine wunderbare Spielwiese, um Projekt- und Veranstaltungsorganisation, Teamarbeit, Konfliktlösung und Verantwortungsübernahme schon vor dem Berufseinstieg zu üben.

Für geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer lohnt es sich darüber hinaus, sich die Frage nach dem eigenen 'Marktwert' zu stellen: "Was kann ich, was andere mit dem gleichen Bildungshintergrund nicht anzubieten haben?" Das können Sprachen sein, die die fachliche Spezialisierung sinnvoll ergänzen, Computerkenntnisse, die z.B. für empirische Sozialforschung zentral sind, Trainer- oder Coachingausbildungen, usw.

Die Kompetenzen von Sozialwissenschaftlern sind nach dem Studium so schwer greif- und nachweisbar, dass eine Differenzierung der eigenen Fähigkeiten von der Masse in jedem Fall hilft. Zumal in diesen Fächern die eigentlichen wissenschaftlichen Studieninhalte im Beruf oft nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

In diesen Berufsfeldern kann man als Politologe tätig werden:

Politik, Wissenschaft, Think Tanks und Politikberatung, Stiftungswesen, Verbandslandschaft, NGOs, Medien, 'weiche' Abteilungen in Unternehmen wie PR, Marketing und Personal.

Gehalt und Karrierechancen aus meiner Sicht:

Wer reich werden möchte, studiert etwas anderes, und Karrierewege sind meist kurvenreich.

Sozialwissenschaftler sind zumeist Überzeugungstäter und hohe Motivation drückt den Preis. Die Freude, beruflich etwas zum Gelingen der Gesellschaft beizutragen und inhaltlich mit Themen befasst zu sein, die einen persönlich interessieren, macht in meinen Augen die flachere Gehaltsstruktur wett.

Mein Tipp für Studieninteressierte:

Versucht, bei der Studienwahl die klassische Einteilung der Schulfächer wegzuschieben.

Lasst Euch von den Fragen leiten: Was kann ich gut, was fasziniert mich inhaltlich, aus welchen Fächerkombinationen ergibt sich ein echter Gewinn?

Politikwissenschaft mit Germanistik zu kombinieren, war im Rückblick für mich ziemlicher Schwachsinn. VWL, Psychologie, Kulturwissenschaft hätten wesentlich mehr Sinn und mir ähnlich viel Freude gemacht.

Ich würde immer empfehlen, nach Neigung zu studieren, denn bis zum AbschlussDoktorand ist die Bezeichnung für jemanden, der seine Doktorarbeit scheibt und somit Anwärter auf den Doktortitel ist. Doktoranden werden häufig während ihrer Forschungsarbeit auch als Dozenten bzw. Forschungspersonal an Hochschulen eingesetzt. des Studiums sind alle fachbezogenen Arbeitsmarktprognosen wieder passé.

Und: Habt Mut, euren Weg zu gehen! Fragt eure Eltern, Bekannten und Lehrer, aber trefft die Entscheidung für euch. Geht ruhig Wege, die nicht weitverbreitet sind - nicht jeder muss Anwalt, Lehrer oder Arzt werden.

Aus dem Beruf:

  • Christin (32)
    Fernsehautorin beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk
  • Daniel (32)
    Jugendbildungsreferent bei einem Interessenverband
  • Marc-André (36)
    Entwicklungshelfer in Tansania
  • Roman (28)
    Online-Redakteur
  • Tangmar (32)
    Entwicklungspolitischer Berater in Kolumbien
  • Volker (32)
    Redenschreiber bei einer Landesregierung