Wegen meines Interesses an Literatur habe ich Germanistik studiert.
Ich wollte freie Autorin werden und bin es über den Umweg als Journalistin, Buckritikerin, Pressereferentin und Dozentin am Ende auch geworden.
Ich schreibe Bücher und Kurzgeschichten für verschiedene Verlage.
20% meiner Zeit verbringe ich mit Schreiben, 40% mit Lesungen, 40% mit Bürotätigkeiten.
Den Großteil meines Einkommens sichere ich durch Lesereisen.
An zweiter Stelle kommt der Verdienst durch den Buchverkauf (ca. 8% des Ladenpreises) sowie Einkünfte durch Stipendien oder Wettbewerbe.
Für den kreativen Anteil meines Berufs hat mir das Studium wenig gebracht (da würde ich eher Spezialstudiengänge wie "Creative Writing" empfehlen).
Allerdings habe ich natürlich einen guten Überblick über die Literaturszene erhalten und gelernt, eigenständig und diszipliniert zu arbeiten.
Praktika in Verlagen waren für mich absolut wichtig, um Einblicke ins Berufsfeld zu erhalten.
Außerdem habe ich mich während des Studiums in verschiedenen Unigruppen engagiert, an Wettbewerben teilgenommen und die Möglichkeiten genutzt, meine Texte zu präsentieren (Unizeitung, Poetry Slams).
Das Germanistikstudium öffnet viele Türen, wenn man während der Uni-Zeit zusätzlich Praktika absolviert.
Kollegen von mir sind in unterschiedlichsten Bereichen tätig: Journalismus (Zeitung, Zeitschriften, Internet), Verlagswesen (Lektorat, Lizenzen, Autoren), Pressearbeit (nicht nur im Kulturbereich - auch in der Wirtschaft oder Politik), Erwachsenenbildung (Uni, VHS), Büchermarkt (Kritiker, Buchhändler, Agenten), Veranstaltungsmanagement (Kulturreferate, Literaturhäuser, Goethe-Institute), TV-Markt (Autoren, Redakteure), Theater (Regie, Stückeschreiber) etc.
Im Vergleich zu anderen Studiengängen schlecht bezahlt mit geringen Karrierechancen.
Das Germanistikstudium bereitet nicht konkret auf ein Berufsfeld vor, sondern erfordert viel Eigeninitiative und Phantasie, was die berufliche Zukunft betrifft. Daher ist es einer der Studiengänge mit der höchsten Abbrecherquote.
Ich rate, sich schon im Vorfeld zu überlegen, welches Berufsziel man grob im Auge hat. Durch gezielte Seminarbelegung und Praktikawahl kann man sich selbst einen roten Faden schaffen, den man im Studium ansonsten verzweifelt sucht.